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Krone.de - Interview with Olli June 2004

"Drei Jahre sind seit dem letzten Rammstein-Album "Mutter" vergangen. Und bis zum neuen Album "Reise, Reise" müssen sich die Fans noch bis zum Herbst gedulden. Krone.at durfte aber schon vorab in das neue Album reinhören und ein Interview mit den Feuer-Fetischisten führen.

Unverhoffterweise kam just Österreich in den Genuss, als allererstes Land vorab in die neue Rammstein-Scheibe hineinhören zu dürfen und schon nach dem ersten Durchhören kann man sagen: das Warten hat sich gelohnt. Rammstein haben sich hörbar weiterentwickelt und werden nicht nur alte Fans ansprechen, sondern auch jede Menge neuer Anhänger dazu gewinnen.

Wir konnten folgende Songs hören: "Reise, Reise", "Amerika", "Los", "Wo bist du?", "Mein Teil", "Dalai Lama", "Keine Lust", "Morgenstern" und "Amour".

Die neuen Tracks im Detail
Die auffälligste Nummer ist "Los", erstmals eine reine Akustik-Version auf einem Rammstein-Album. Bassist Oliver dazu: "Von der Nummer gibt's auch eine klassische Rammstein-Version. Die Akustik-Version ist dann plötzlich die Hauptversion der Nummer geworden."

Mit "Mein Teil" werden Rammstein einmal mehr polarisieren, denn es ist eine Nummer über den berüchtigten deutschen "Kannibalen": "Denn du bist, was du isst, und ihr wisst was er frisst", dürfte schon jetzt einigen Kritikern den Magen umdrehen. Die Band selbst sieht das entspannter: "Das ist ja nur ein Lied und nicht das Thema der ganzen Platte. Von daher haben wir auch keine Angst, in ein bestimmtes Eck gedrängt zu werden."

Etwas ratlos hinterließ uns die Nummer "Dalai Lama", dafür kommt "Keine Lust" wieder typisch Rammstein-mäßig daher: volles Brett, headbangen bis zum Abwinken - jö, da werden die Matten wieder fliegen!

Zum Abschluss dann noch die Nummer "Amour", die anfangs sehr ruhig daher kommt, das Tempo langsam steigert und in einem höllischen Stakkato endet.

Welche Tracks schaffen es aufs Album?
Allerdings ist noch nicht gesagt, dass es auch tatsächlich alle diese neun Nummern auf das fertige Album schaffen. "Beim Mastern kann eine Nummer ganz viel gewinnen oder auch verlieren - deshalb warten wir jetzt einmal das Mastern ab", so Oliver. Sicher ist aber, dass Rammstein aus insgesamt 17 Songs auswählen können, von denen es schließlich 11 aufs Album schaffen werden. Wieso nur so wenige? "Nach 45 bis 60 Minuten ist die Konzentration beim Hörer am Ende. Die letzten Lieder bei überlangen Alben kennt meistens niemand mehr. Deshalb drehen wir lieber ab, bevor es der Hörer tut."

Krone: Wieso hat es so eine lange Pause seit dem letzten Album gegeben?
Oliver: Das letzte Album war ja insgesamt unsere dritte Platte und es heißt ja immer, dass das dritte Album so schwer sein soll. Und das hat sich auch so abgezeichnet und da haben wir ziemlich viel Energie verloren, waren viel auf Tour und wollten einfach ein kleines Päuschen machen. Das hat ungefähr ein Jahr gedauert und dann haben wir wieder Lust bekommen, etwas Neues zu machen. Dann haben wir noch ein Jahr im Proberaum verbracht und den Rest mit den Aufnahmen.

Krone:
Weiß man schon wie das neue Album heißen wird?
Oliver: Ganz sicher "Reise, Reise"

Krone: Wir haben jetzt neun Tracks vom neuen Album gehört, am Schluss hat das Management aber gemeint, dass es nicht sicher ist, ob auch wirklich alle diese Tracks auf das Album kommen werden. Gibt es schon eine provisorische Tracklist?
Oliver: Die Lieder sind jetzt gerade beim Mastern und da kann sich noch so viel verändern, dass eine Nummer ganz viel gewinnt oder extrem verliert. Deshalb warten wir jetzt einmal noch das Mastering ab.

Krone: Wieviel Tracks stehen in der engeren Auswahl?
Oliver: Wir haben insgesamt 17 Songs, aber es kommen nur 11 auf das Album.

Krone: Wieso nur so wenige?
Oliver: Wenn man sich die Musik so anhört, ist man nach elf Songs etwa mit der Konzentration am Ende. Ein klassisches Album dauert ja ca. 45 bis 60 Minuten und soviel haben wir uns auch vorgenommen. Wir halten nicht soviel von diesen langen Platten, weil die letzten Lieder kennt dann meistens keiner mehr.

Krone: Bevor die Leute also abdrehen...
Oliver: ...drehen wir lieber selbst ab!

Krone: Vor dem letzten Album hat es geheißen, dass ihr einmal etwas anderes machen wolltet. Am Ende war es wieder ein typisches Rammstein-Album. Wie war das diesmal?
Oliver: Es ist im Prinzip immer das Gleiche. Man will zwar immer etwas Anderes machen, aber am Ende macht man das, genau deswegen, weil man es kann. Jeder ist an seinem Instrument gut, von daher ist die Instrumentierung schon einmal gleich geblieben. Wenn der Gitarrensound schon mal da ist, bleibt auch der Rest in der gleichen Richtung.

Krone: Die Songs, die uns jetzt vorgespielt worden sind, haben aber wesentlich variantenreicher geklungen, als die alten Rammstein-Alben. "Los" ist zum Beispiel so ein Song.
Oliver: Von der Nummer gibt's auch eine klassische Rammstein-Version. Da waren wir aber schon ein bisschen müde, so dass wir dann gedacht haben, dass wir eine Akustik-Version von dem Song machen. Und plötzlich ist das jetzt die Hauptversion von dem Lied. Wir versuchen schon, nicht nur die alten Standards zu probieren. Es ist auch etwas weniger Elektronik dabei.

Krone: Beim Song "Amerika" kommen auch ziemlich kritische Töne durch...
Oliver: Daran sind wir natürlich auch nicht vorbeigekommen. Der Irak-Krieg war gerade, als wir im Studio waren und hat uns natürlich beeinflusst.

Krone: Die erste Singleauskoppelung soll "Mein Teil" sein. Zielt das schon auf einen Skandal ab? Der Text ist ja doch recht heftig...
Oliver: Natürlich zielt die Nummer auf den "Kannibalen" ab. Die Plattenfirma hat gemeint, dass das ein starkes Lied für die erste Single sein könnte, dass man gar nicht auf Airplay und Verkaufszahlen schielt, sondern einfach den Fans eine Freude macht. Und die Idee fanden wir auch gut.

Krone: Habt ihr nicht Angst, jetzt wieder in ein bestimmtes Eck gedrängt zu werden? Früher war's ja das rechte Eck, jetzt diese Solidarisierung mit dem Kannibalen...
Oliver: Ach, das ist jetzt ein Lied und nicht das Thema der ganzen Platte. Von daher haben wir nicht Angst, in eine bestimmte Ecke gedrängt zu werden.

Krone: Aber vielleicht sehen es die Medien so?
Oliver: Das sind ja die Medien und nicht die Fans. Es ist nicht so einfach, jemanden in eine bestimmte Ecke zu drängen, nur weil die ein bestimmtes Thema auffassen. Es macht uns vielleicht auch ein bisschen Spaß, mit diesem Thema zu spielen.

Krone: Wie sind die Erwartungen für das neue Album? Rammstein-Klone wie "Ooomph" sind jetzt gerade Nummer 1 gewesen - ist das jetzt auch für euch das Minimum.
Oliver: Also wir haben uns richtig mit Ooomph gefreut, ob wir jetzt auch auf Platz 1 kommen kann man jetzt noch nicht sagen. Natürlich wissen wir, dass die Platten von vielen Leuten gekauft werden wird, aber wie sie sich genau platziert? Für Platz 1 reicht's wahrscheinlich nicht. Bei Ooomph war das auch ein glücklicher Umstand, das keine anderen Bands in dieser Richtung gerade gespielt wurden.

Krone: Wie sieht's mit Videos zum neuen Album aus?
Oliver: Das erste Video ist schon abgedreht. Das war gar nicht so einfach. Wir haben einige Regisseure gefragt, haben uns Stories schicken lassen und das waren alles so klassische Geschichten, die wir eigentlich immer in unseren Videos verarbeiten. Aber wir wollten dann doch nicht auf der "sicheren" Schiene fahren, eher etwas Experimentelles machen. Das sah so aus, dass jeder eine Stunde vor der Kamera bekam und da machen konnte was er will - das wurde dann die Performance und ging in eine gute Richtung.

Krone: Wird's eine Tour zum Album geben?
Oliver: Auf jeden Fall wird es im November und Dezember eine große Europa-Tour geben - auch Wien wird da dabei sein.

Krone: Wie darf man sich Rammstein privat vorstellen?
Oliver: Ganz viele von uns haben Familie und pflegen auch das Familienleben. Es ist daheim also das genau Gegenteil von unseren Shows.

Krone: Restlos zufrieden mit dem Ergebnis der neuen Platte?
Oliver: Man kann immer etwas besser machen, aber es ist gut, wenn man dann endlich einen fixen Termin hat, um mit der Sache fertig zu werden. Als wir mit der Platte angefangen haben, sind viele ruhige Lieder entstanden und wir dachten "Ach du Scheiße, was wird das denn jetzt?" Aber dann sind noch ein paar härtere Lieder dazu gekommen.

Krone: Wie sieht's innerhalb der Band aus - alles ruhig, oder auch Streitigkeiten?
Oliver: Natürlich gab's auch Streitigkeiten, aber jetzt sind alle wieder ganz entspannt.

Krone: Wie lange kann man diese Musik glaubhaft rüberbringen?
Oliver: Man kann sich auch verändern. Wie lange wir das machen, wissen wir natürlich nicht, aber ich denke, dass wir schon noch einige Zeit unsere Musik machen können. Man muss sich halt auch ändern und mit der Musik älter werden. Metallica sind doch ziemlich glaubwürdig mit ihrer Musik. Wir wissen zum Beispiel auch noch nicht, wie wichtig unsere Pyro-Effekte in Zukunft werden. Derzeit haben wir gar keine Lust drauf, wenn es dann soweit ist, wird die Lust aber wohl wieder zurückkommen.

Krone: Wie sieht's mit USA-Plänen aus?
Oliver: Wir werden auf jeden Fall auch einige Promotion-Konzerte in Amerika spielen. Das Album wird auch drüben veröffentlicht, allerdings ein wenig später."

© 2005 Richiebaby

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