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EMP Magazin – Winter 2005 - Olli
Nun sind sie wieder zurück. Schneller als vorn allen Fans erwartet.
Rammstein, Vorzelgeband aus deutschen Landen, die einzig wahren,
verblieben Superstars der heimischen Rockszene. Ähnlich wie bei ihrem
Doppelschlag mit „Herzeleid“ und „Sehnsucht“ vor 10 Jahren, legen die
Berliner mit „Rosenrot“ den Nachfolger zum revolutionären „Reise,
Reise“-Longplayer nach. Doch bevor wir Basser Oliver Riedel au Wort kommen
lassen, der seinen Gedanken auf einem Hausboot in Paris freien Lauf lässt,
noch mal eine kurze Retrospektiv auf die stelle Karriere der Einheit
Rammstein.
Es begab sich im Jahr 1995 als mir ein Tape einer unbekannten,
deutschen Band vorgespielt wurde. Ein Newcomer wie jeder andere? Weit
gefehlt! Die druckvolle Produktion, die schneidenden Gitarren und die
martialischen Texte – etwas nie Dagewesenes. Zu Beginn will die Band als
Einheit verstanden werden, die Individuen spielen zuerst keinen Rolle. Die
Stärke bezieht Rammstein aus ihrem Zusammenhalt und der kameradschaft. Das
Sextet schwimmt sich frei!
Bereits zu DDR-Zeiten spielen alle Mitglieder bei diversen Szene-Bands.
Christian „Flake“ Lorenz musiziert zusammen mit Paul Landers bei sogar im
Westen bekannten Feeling B, Oliver Riedel zupft bei The Inchtabokatables
den Bass, Sänger Till Lindemann verdingt sich bei First Arsch als
Schlagzeuger und Christoph Schneider trommelt bei Die Firma. Einen völlig
andered Weg beschreitet Klampfer Richard Kruspe. Noch vor dem Mauerfall
flieht er über Ungarn und Österreich nach Westdeutschland, wo er eine Band
namens Orgasm Death Gimmick gründet. Kurz nach dem Mauerfall 1989 kehrt er
in seine Heimstadt Schwerin zurück, um für kurze Zeit bei Des Auge Gottes
in die Saiten zu greifen. Dort trifft er auf Till Lindemann, den
ehemaligen Auswahlschwimmer der DDR und Vize-Europmeister im
Jugendbereich, der sein Geld als Korbflechter verdient. 1994 entsteht ein
gemeinsames Projekt, das neben Kruspe und Lindemann auch Riedel und
Schneider auf den ersten Demos präsentiert. Das Quartett wird durch
Landers und Lorenz verstärkt und so bewirbt man sich mit dem Demo bei
einem Bandwettbewerb, bei dem den Gewinnern ein Studioaufenthalt winkt.
Spiel, Satz und Sieg für das Sechserpack! 1995 sind sie als Support für
Project Pitchfork auf Tour, unterschreiben ihren Deal mit Motor Music und
beginnen mit Unterstützung von Clawfinger-Produzent Jacob Hellner mit das
Debut Album „Herzeleid“.
Das Ausland beäugt Rammstein zuerst ebenfalls sehr kritisch und sieht
in ihnen einen schlichte, kalte Melange aus Alice Cooper und Marilyn
Manson. In Deutschland räumt „Herzeleid“ in kürzester Zeit völlig ab. Die
perfekt Mischung aus tonnenschweren Gitarrenriffs, exzessiven Technobeats
sowie ausdrucksstark-provokanten Lyrics, verleiht Rammstein ihre
Einzigartikeit. Dank des bekannten Filmemachers David Lynch, der die
Tracks „Rammstein“ und „Heirate mich“ für seinen „Lost Highyway“ Sountrack
verwendet, wird über Nacht in Amerika das Rammstein-Fieber entfacht.
1997 räumt „Sehnsucht“ außerhalb Europas vor allem in den USA megamäßig
ab. Eine gigantische Tour folgt zwischen 1998 und 1999. Nach dem
relativen, kommerziellen Ableben der Scorpions gilt das Berliner Sextett
heute so ziemlich als einziger deutscher Act von internationaler
Bedeutung.
2001, nach extensiven Live-Aktivitäten, erscheint das dritte
Studioalbum „Mutter“, das wie auch der Vorgänger „Sehnsucht“ direkt nach
Veröffentlichung die Pole Position der Charts einnimmt. Rammstein sind auf
dem Rock-Olymp und pausieren nach einer fantastischen Konzertrundreise.
Erst im Sommer 2004 erscheint die neue Platte „Reise, Reise“ und
advanciert bereit inm Oktober zur erfolgreichsten europäischen Langrille
des Jahres 2004. Noch während der laufenden Sommer-Shows kündigt die Band
für Oktober 2005 einen Nachfolger an.
Nun ist es an der Zeit, Bassmann Oliver Riedel zu befragen, wie es denn
dazu kam, dass Rammstein nach „Reise, Reise“ so schnell schon wieder eine
neue Platte am Start haben. „Wir hatten zu der ‚Reise, Reise’-Session
insgesamt 18 fertig Titel aufgenommen hatten also schon sieben neue Songs
für ein weiteres Album komplett. Wir wollen nicht so lange warten, diese
auch zu veröffentlichen. Bei uns ist es so, dass wenn wir Tracks aufnehmen
und sie dann zu lange liegen lassen, sie für unseren Geschmack immer
schlechter werden. So hatten wir ursprünglich die Idee, die newe Platte
als ‚Reise, Reise2’ zu releasen. Die Fans sollten wissen , dass diese
Aufnahmen auch aus der ‚Reise, Reise’-Session stammen. Wir mussten noch
vier/fünf neue Lieder schreiben, was wir in den letzten drei Monaten getan
haben. Das Resultat is nun ‚Rosenrot’“
Hierbei sind Parallelen zu „Herzeleid“ und „Sehnsucht“ erkennbar. Dort
hattet ihr auch schon fast die komplette „Sehnsucht“ mit aufgenommen.
Eigentlich sollte ja auch das Stück „Sehnsucht“ mal „Afrika“ heißen. Ist
diese Art Aufnahmetaktik ein bevorzugtes instrument von euch? „Eigentlich
nicht, da wir diesmal die Stück, die wir bereits zu ‚Reise, Reise’
aufgenommen hatten auch so belassen und nichts mehr daran geändert haben.
Bei „Sehnsucht“ damals haben wir noch vieles neu und anders gemacht.“
Das Stück „Rosenrot“ zählt ja auch zu den fertigen Songs aus der ersten
Session und sollte samals schon die erste Single werden. Nun wird der neue
Longplayer „Rosenrot“ heißen und das gleichnamige Stück wird dennoch nicht
als erste Ausklopping veröff entlich? „Als wir wussten, dass wir sieben
fertige Songs haben und „Rosenrot“ zu den stärkeren Nummern zählte, haben
wir uns dafür entschieden die neue Platte ebenfalls „Rosenrot“ zu nennen“
bekräftigt Oliver. „Jede Platte hate starke und schwächere Nummern und für
die neue Scheibe wollten wir gute Songs in der Hinterhand behalten.
‚Reise, Reise’ wollten wir ja auch ursprünglich etwas härter gestalten und
wenn man sich den neuen Silberling anhört sind halt auch wieder einige
ruhigere ideen dabei. ‚Rosenrot’ ist viel melancholisch-romantischer als
‚Reise,Reise’ obwohl die Aufnahmen teilweise aus der gleichen Zeit
stammen.“
In eurem neuen info zu „Rosenrot“ wird der Spagatschritt unternommen,
eine Verbindung zwischen Goethe, den Gebrüder Grimm bis hin zu Rammstein
herzustellen – was durch die Art der Lyrik in Tills Texten oft genug nicht
von der Hand zu weisen ist. „Dies steht bei uns in der Band überhaupt
nicht im Vordergrund. Natürlich ist das Lyrische und Romantische in Tills
Texten vorhanden, nur ist ein Vergleich mit Goethe oder den Gebrüder Grimm
von unserer Seite her nicht beabsichtigt oder gar gewollt.“
Das Frontcover zur neuen Platte „Rosenrot“ ist eigentlich im großen und
ganzen das Cover der japanische Version von „Reise, Reise“. Wie kam es
dazu? Dies ist ein sehr ungewöhnlicher Weg Cover-Motive auszusuchen. Die
Japaner wollten nicht ursprünglische „Reise, Reise“ übernehmen, was ist
persönlich ziemlich dreist finde, aber sie meinten, das mit dem
Flugschreiber-Cover würde in Japan nicht funktionieren und wir sollten
doch bitte ein anderes Motiv an den Start bringen.Wir haben ihnen dann
einen Vorschlag gemacht – das war der mit dem Boot – und den fanden sie
gut. Letztendlich hat uns aber auch selber das Motiv so gut gefallen, das
wir nun das „Rosenrot“-Cover daraus gemacht haben. So wird es nochmals für
aller zugänglich und ist nicht nur für die Japaner! Zuerst sollte die
Platte ja ‚Reise, Reise2’ heißen und dies hätte vom Motiv her auch besser
gepasst. Aber nun heißt halt das Schiff ‚Rosenrot’ und das ist auch
okay.“
Gehen wir mal ein paar Tage zurück. Zu „Reise, Reise“ habt ihr nicht in
Amerika getourt, ein Land das Rammstein frenetisch abgefeiert hat. Wie kam
es dazu, wo doch einer eurer Gitarristen Richard, in den Staaten lebt und
Rammstein dort sehr populär sind? „Wir wollten ursprünglich im
Oktober/November in Südamerika und Mexiko eine Tour spielen. Nur mussten
wir leider alles absagen, weil unser Keyboarder Flake mit Mumps im Bett
lag. Was Amerika betrifft, ist es letzendlich so; beim dortigen Touren
fressen dich die horrenden Kosten mit. Momentan ist es auch etwas
undenkbar mit Amerika – okay wir können dort überall in den großeren Clubs
vor 2.000 bis 3.000 Leuten spielen, aber wenn du zur gleichen Zeit in
Europa vor 10.000 oder 15.000 Fans spielen kannst, ziehst du Europa
automatisch vor. Durch lange Touren haben wir alle sehr viel Energie
verloren. Wenn wir vielleicht in den Staaten mal einen großen Hit haben,
der dann auch von den Radiostationen unterstützt werden würde – denke ich,
würden wir den Markt USA auch nochmals in Angriff nehmen. Man muss dort
sehr viel Promotion machen und richtig hart an einem Erfolg arbeiten. Die
Amerikaner vergessen halt schnell, die Mentalität in Europa ist eben ganz
andere. Wir sondieren die Märkte für uns. Zu ‚Reise, Reise’ haben wir in
ganz Europa und in Japan gespielt. Eigentlich müssten wir auch noch nach
Australien, und die Südamerika- und Mexiko-Tour versuchen nachzuholen,
wenn Flake wieder in Ordnung ist.“
Eure Tourneen sind ja mittlerweile auch schon zu richtig bombastischen
Materialschlachten aufgefeurt. Seid ihr dem nicht überdrüssig und wie
kommt ihr damit auf den monatelangen Reisen zurecht? „Trotz des großen
Erfolges und der langen Tourneen ist intern bei uns alles okay, denn durch
den Standard, den wir mittlerweile auf Tour haben, hat jeder einzeine von
uns seine Freiräume und man kann seinen persönlichen Wünschen und
Angelegenheit nachgehen. So ist das ganze sehr angenehm und dadurch macht
auch das Touren wieder sehr viel Spaß.“
Wie sieht es mit einer „Rosenrot“-Tour aus – können sich die deutschen
Fans darauf freuen? “Momentan planen wir noch keine Tour mit ‚Rosenrot’.
Wir sprechen darüber, die Südamerika und Mexiko-Shows eventuell
machzuholen und vielleicht nächstes Jahr einige Festivals zu
spielen.“
Sven Lohnert.
© 2005 Sue Lindemann