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Concert Review – Metal Hammer (Germany)
Metal Hammer – February 2002
Was für eine Woche in Freiburg! Erst fielen die Rotterdamer Hooligans über die Stadt her (Ergebnis: zwölf Festnahmen), und dann kamen zu allen Strapazen auch noch die Rammstein-Fans. Im Vorfeld meines kleinen Betreibsausfluges musste ich mir des Öfteren anhören, dass Freiburg eine ach so schöne Stadt sei – mit toller Architektur, Alstadt und allem, was dazu gehört. Kann ja wirklich gut sein, dass die Schwarz-wald-Metropole mit ihren 200.000 Einwohnern, ,,schön” ist, mir bleibt nach meinen Besuch nur zu sagen, dass erstens der McDonalds im Hauptbahnhof von innen genauso aussieht wie in jedem anderen Ort, und zweitens ich kein Wort des freundlichen Herrn am Bahnauskunftschalter verstehen konnte. Außerdem hätte ich mir vor meinem Besuch selbst in kühnsten Träumen nicht ausgemalt, dass Freiburg rocken kann. Als ich aber in der ausverkauften Messehall 2 in mitten von 10.000 Ramstein-Verrückten stehe, bin selbst ich ein wenig verblüfft.
Das eigentlich allerorten kompromisslose Rammstein-Publikum macht schon beim Support Clawfinger klar, dass die Parole an diesem Freitagabend ,,abfeiern” heißt, und dashalb werden die Schweden mit Applaus anstatt Katzen-scheiße beworfen. Die gute halbe Spiel-Stunde ist gespickt mit den alten und den neuen Hits: ‘Nigger’, ‘Do what I say’ oder ‘The Truth’. Und von wegen ‘Nothing Going On’: Statt am Tresen rumzulungern, bewegt gut drei viertel der Halle Beine respektive Arme, um die Schweden klatschkräftig zu unterstützen. Das freut – und zeigt einmal mehr, dass Totgestage länge leben. Nach kurzer Umbaupause brennt die Luft: Es knallt, kracht, explodiert – die Messehalle, in der sonst Philatelisten und Schiffsbauer auf- und abspazieren, versinkt für Sekunden im Flammenmeer. Alle anwesenden Brandschutzbeauftragten erleiden einem kurzen Herzstillstand, den Rammstein lassen bitten. ‘Mein Herz brennt’ grollt Bauarbeiter-Iro Lindemann und beim bunt gemischten Publikum, das sich aus Eltern mit Kindern, Motorrad-Rockern, pickeligen Gymnasiasten, Bodybuildern und handelsüblichen Metallern zusammersetz, kommt es zu ersten Adrenalinausschüttungen. Rammstein haben bei ihrem einzigen Deutschland-Auftritt auf der Europa-Tour nur die Hälfte an Knallkörpern und vorzeitigen Silvester-Raketen dabei, und dennoch gibt es selbst bei dieser abgespeckten Version noch genüngend Dinge, die man anzünden kann, ohne dass die worklich brennen. So züngeln Flammen aus allen erdenklichen Öffnungen: Ob Keyboard, Gitarre oder Mensch – Rammstein nehmen keine Gefangenen, schonen nichts und niemanden. Auch nicht sich selbt. So krümmt sich Lindemann immer wieder, um die martialische Laute aus den Untiefen seines Stimmorgans an die Oberfläche zu beförden, während ihn die Hintermannschaft mit gewaltigen Metal-Märschen nach vorne peitscht. Ohne viel Kommunikation mit dem Publikum geht es Schlag auf Schlag: ‘Links 2 3 4’, ‘Sehnsucht’, ‘Feuer Frei’. Und immer wieder ein weiterer Show-Effekt. Ob mit quer durch die Halle fliegenden explodierenden Kugelblitzen oder krassen Gesichts-Flammenwerfen wie bei ‘Feuer Frei!’: Rammstein veranstalten großes Kino mit kleiner Leinwand. Der Sound passt, und als es an die Hits ‘Du hast’, ‘Bück Dich’ und ‘Engel’ geht, tanzt das Dreiländereck im Kreis. Als Zugabe wird noch mal feurig nachgelegt und zu ‘Rammstein’, ‘Sonne’ und ‘Ich will’ das restliche Arsenal an Pyros rausgelassen, die Donnerschläge krachen im Takt, und zu ‘Stripped’ gibt es die obligatorische Bootsfahrt über die Köpfe der Fans. Abgespeckte Show? Kein Deut davon zu merken, im Gegenteil: Nach den vielen Konzerten in diesem Jahr sind Rammstein eigenspielt wie die Mannschaft des Panzerkreuzers Aurora, die Abend für Abend ihre eigene kleinen Revolution abfeiert. Wie gesagt: Diese Woche wird Freiburg nicht so schnell vergessen
© 2005 Sue Lindemann
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