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Tills Herz brennt lichterloh – Mai 2001

Diese Show ist lebensgefährlich! Bravo beobachtete die Berliner Rockmonster auf ihrer ,,Mutter” Tour.

Die Szene auf der Bühne erinnert an Frankensteins Grusellabor: vergilbte Kacheln, qualmende Reagenzien, von einem Dutzend OP-Leutchten in diffuses Licht getaucht, in gläsernen Spiritus-Bottichen schwimmen präparierte Körperteile aus der Anatomie. Dazu dröhnen die Panikschläge eines überdimensionalen Herzens mit der Wucht eines Erdbebens aus den Boxen.
Zwischen 5.000 unde 14.000 Fans pro Abend servieren Rammstein auf ihrer ,,Mutter” Tour das Grauen pur. Die Show startet mit einer surrealen, vom diabolischen ,, Dr Flake” eingeleiteten Sturzgeburt. Aus einem überdimensionalen Uterus krachen fünf Reisenbabys 1,80 Meter tief auf die Bühnenbretter. Im Saal herrscht gespenstische Stille, während Schneider (Schlagzeug), Olli (Bass), Till (Sänger), die Gitarristen Paul unde Richard, alle nackt bis auf eine Windel, sich hilflos am Boden winden. Von Laborwärtern in weißen Kitteln unter die Sauerstoffdusche gezerrt, erwachen sie allmählich aus ihrem Zombie-Koma. Wamm! Eine gewaltige Explosion zereißt die Luft, blast sämtliche Lichter aus.
Sekunden später tobt das Inferno los in der nachtschwarzen Halle: ,,Liebe Kinderrr, gebt fein acht. Ich hab euch etwas mitgebrrracht, hab es aus meinerrr Brrrust gerrrissen….”, gurgelt Tills heisere Gespensterröhre zu Richards und Pauls donnernden Gitarren-akkorden.
Meterhohe Feuersäulen lodern an der Rampe auf, plötzlich eine Stichflamme aus Tills Brust. Des Sängers Herz brennt lichterloh – minutenlang. Die Pyroeffekte, Explosionen, Schneestürme, Wasser und Konfettiregen der 100-minuten-Show verschlagen nicht nur den Fans, sondern auch den Akteuren den Atem. Bei der Zugabe ,,Rammstein” steht Till, der Rocker mit der Lizenz zum Burnen, richtig im Flammen, sein Leben echt auf dem Spiel. ,,Sobald auf seiner Haut das Feuer brennt, hilft nur noch Zähne zusammenbeißen und Luft anhalten” grinst Flake. ,,Wenn er die glühend heißen Gase einatmet ist er weg vom Fenster!”

Hannsjörg Riemann.

© 2005 Sue Lindemann

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