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One Magazine - Interview with Richard, Till & Schneider

Rammstein ist eine der wenigen deutschen Gruppe, die nicht nur in Deutschland selbst, sondern auch international bekannt sind. Der aktuelle Erfolg von Reise, Reise ihrem vieren Album, stellt erneut unter Beweis, dass Rammstein sicherlich noch eine lange Karriere vor sich hat... Vor zwei Jahren allerdings hätte sich die Gruppe fast getrennt. Näheres dazu von Till, Richard und Christoph höchstpersönlich...

Vor dem Erscheinen von Reise, Reise gab er zahlreiche Gerüchte über eine mögliche Trennung der Gruppe. Was ist wirklich passiert?
Richard Kruspe-Bernstein: Wir haben uns nie trennen wollen. Wir haben nach Mutter allerdings eine ziemlich schwierige Phase durchgemacht. Die Produktion des Albums war für das Label sehr kostenaufwändig, deshalb standen wir ziemlich unter Druck. Dieser Druck wurde über eine längeren Zeitraum auf uns ausgeübt und es kam zu heftigen Spannungen zwischen uns, da wir nicht mit den gleichen Erwartungen an dieses Album herangegangen sind. Daher legten wir eine einjährige Pause ein, um Abstand zu gewinnen und keine voreilige Entscheidung zu treffen. Nach dieser Pause waren wir uns einig: wir wollten zusammen weitermachen.

Habt ihr euch dieser Zeit heftig gestritten?
Till Lindemann: Wenn man zehn Jahre lang in einer Gruppe lebt, so als wenn man verheiratet ist, wenn man mehr Zeit mit den „Arbeitskollegen“ als mit seiner Familie verbringt, sind Spannungen unvermeidbar. Seit zehn Jahren hängen wir ständig zusammen. Das ist ganz schön lang! Manchmal streiten wir uns wegen irgendwelcher Nebensächlichkeiten. Es gibt dann z.B. ziemlich heftige Auseinandersetzungen darüber, wer das Recht hat, oben zu schlafen oder den größten Kleiderschrank zu benutzen! (Lachen)
Richard: Ehrlich gesagt, bin vor allem ich daran schuld, dass sich die Beziehungen der Gruppenmitgleider so extrem verschlechtert haben. In dieser Zeit erstickte meine Kreativität die der anderen, denn ich wollte alles selbst machen. Meine Leidenschaft für die Musik machte mich blind, ich sah nicht, dass ich die anderen total erdrückte. Sobald ich meine Hand im Spiel hatte, konnte keine anderes Gruppenmitgleid mehr zu Wort kommen. Und da ich immer ein Wörtchen mitzureden hatte...
Christoph Schneider: Wir waren an einen Punkt gelangt, an dem es unmöglich war, das Wort „Richard“ auszusprechen, ohne das Wort „Arschloch“ oder „Schwein“ anzuhängen! (Gelächter) Zu Richard sprach man wir gegen eine Wand...

Was habt ihr gemacht, um die Situation wieder in den Griff zu bekommen?
Till: Wir haben vor allem viel miteinander geredet, was einen regelrecht therapeutischen Effekt auf uns hatte. Der Austauch innerhalb der Gruppe ist sehr wichtig. Übrigens habe ich oft den Eindruck, dass wir mehr Zeit beim Diskutieren als mit dem Komponieren von Musik verbringen! (Lachen)
Richard: Als mir klar wurde, dass fast alle Mitgleider der Gruppe gegen mich waren, bin ich gegangen. Ich habe Abstand von der Gruppe genommen, um nachzudenken, Ich habe eine Pause eingelegt und bin wiedergekommen, um zu schauen, wie die Dinge ohne mich liefen. Ich habe gemerkt, dass die anderen sehr positiv auf mich reagierten und darauf warteten, dass ich meine Haltung änderte, damit sich unsere Beziehung wieder normalisieren konnte. Und das habe ich gemacht. Ich habe endlich eingesehen und bin stolz darauf, dass Rammstein auch sechs Personen besteht.

Glaubt ihr, dass euch der damalige Welterfolg zu kopf gestiegen ist?
Richard: Auf keinen Fall! Eins steht fest, wir stehen mit beiden Füssen fest auf dem Boden. Unsere Probleme hatten nichts mit unseren erfolg zu tun. Und noch eins ist klar: wie auch immer der Erfolg von Reise, reise sein wird – das Abenteuer Rammstein ist längst nicht beendet...
Die Aufnahmen von Reise, Reise haben demzufolge unter wirklich guten Bedingungen stattgefunden?
Richard: Ja. Für jeden von uns war die Gestaltung dieses Albums eine einzigartige und absolut neue Erfahrung. Alle Probleme haben sich in Luft aufgelöst, sobald wir mit den Aufnahmen des Albums angefangen haben. Wir haben uns voll und ganz darauf eingelassen und alles hat reibungslos geklappt. Wir wollten nicht länger Sklaven unserer Maschinen sein und haben ein völlig neues Konzept für dieses Album entworfen. Unser Ziel war es, eine menschlichere Musik zu realisieren. Dadurch kann man sicherlich so untypische Titel wir ‚Amour’ erklären oder Songs, in denen traditionelle Instrumente wie das Akkordeon eingesetzt wurden.
Christoph: Reise, Reise wurde fast ausschließlich im Proberaum live aufgenommen. Wir haben die Stücke beim Zusammenspiel kreiert, so wie eine richtige Rockgruppe, während wir vorher fast ausschließlich am Computer komponierten. Früher war der persönliche Anteil, den jeder beisteuerte, wesentlich beschränkter. Auf Reise, Reise haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, ausschließlich Live-Instrumente und wenig Elektronik einzusetzen. Unsere neue Arbeitsweise liegt uns wesentlich besser. Jeder von uns hatte so wesentlich mehr Möglichkeiten, sich in den Kompositionprozess einzuklinken.
Rammstein ist ein Kollectiv, aber die meisten Fans betrachten Till als Leader der Gruppe...
Till: Die Sänger werden oft als Leader betrachtet... Das Publikum hat diesen Eindruck, aber für mich sind wir wie die Arbeiter auf einer Baustelle: es gibt Maurer, Vermessungstechniker, Zimmerleuter, usw. Jeder hat seine Rolle in diesem Kollektiv. Und so funktioniert Rammstein.
Richard: Ein Beweis für unsere Solidarität ist die Tatsache, dass wir unsere gesamten Gewinne zu gleichen Teilen unter uns aufteilen.

Till, stimmt es, dass du eigentlich eher schüchtern bist? Hast du Angst vor den Konzerten?
Till: Früher hatte ich vor jedem Auftritt höllische Angst. Jetzt geht das schon viel besser, man gewöhnt sich halt daran. Aber ich habe noch Lampenfieber. Ich spiele überhaupt nicht gerne in kleinen Sälen: ich kann mich nicht mit der Idee anfreunden, dass das Publikum sehen kann, wie mir der Schweiß aus den Poren läuft...

Kannst du den privaten Till Lindemann beschreiben, so wie du bist, wenn du nicht auf der Bühne stehst. Halt die Seiten, die dem breiten Publikum unbekannt sind?
Till: Das ist sehr persönlich und schwierig, ein Thema, über das ich niecht gerne rede. Um mehr zu erfahren, müsste man meine vier Ex-Frauen befragen. Doch ich glaube nicht, dass sie viel Positives über mich zu erzählen haben... (Gelächter)

Till, es ist bekannt, dass du alle Texte von Rammstein schreibst. Wer komponiert die Musik?
Till: Die Arbeit, die mich am meisten interessiert, ist natürlich das Testen. Aber es kommt auch vor, dass ich am Erstellen der Musik teilnehme: der Text muss auf die Musik abgestimmt sein. Es kommt vor, dass die fünf anderen davon überzeugt sind, dass ein Riff gut ist. Wenn dieser mir allerdings nicht zusagt, halte ich nicht mit meiner Meinung zurück.

Auf den Promo-Fotos des neuen Albums tragt ihr alle weiße Hemden, Krawatten und Brillen. Wer ist auf diesen Look gekommen?
Till: Wir haben uns an dem Charakter von Michael Douglas in dem Film „Falling Down – Ein ganz narmaler Tag“ orientiert. Wir haben uns gesagt, dass dies eine gute Gelegenheit sei, unser bisheriges Image über Bord zu werfen.
Richard: Anfänglich war Till von dieser Idee nicht gerade begeistert. Aber letztendlich hat alles hervorragend funktioniert...
Die Presse wirft euch regelmäßig vor, faschistisch zu sein... Wie reagiert ihr auf das, was über euch geschrieben wird?
Richard: Das Problem ist, dass man uns vorwirft, faschistisch zu sein, ohne uns zu fragen, was wir wirklich darüber denken! Diese Gerüchte haben uns ganz schön wütend gemacht... Heute ist uns das allerdings ziemlich gleichgültig. Wir kennen unsere Wahrheit, und dass Lügen über uns verbreitet werden, ist uns egal.

Einigen Gerüchten zufolge soll es anscheinend bald eine Zusammenarbeit zwischen Rammstein und t.A.T.u. geben. Richtig oder falsch?
Richard: Das war wirklich eine Idee von uns. Wir haben einen Titel, der sich Moskau nennt und haben das Management von t.A.T.u. kontaktiert, um zu wissen, ob die beiden Mädels auf unserem Titel singen könnten. Aber es ist zu schwierig, etwas mit ihrem Manager auf die Beine zu stellen. Wir haben uns über drei Monate lang für dieses Projekt eingesetzt. Und schließlich hatten wir die Nase voll, unsere Zeit zu verlieren. So viele unnötigen Diskussionen, nur um irgendwelche Stimmen auf einem Song zu haben... Das war die Hölle!

Einige deutsche Gruppen scheinen eure Konzerte zu imitieren. Was denkt ihr darüber?
Richard: (Genervt) Das bedeutet, dass Rammstein keine schlechte Gruppe ist. Aber wie immer gibt es ein Original und viele Kopien. Wir können nicht wirklich behautpten, dass uns das Freude macht, wenn wir sehen, wie In Extremo unsere pyrotechnischen Effekte bei Konzerten verwendet. Ich kenne den Sänger der Gruppe, ein wirklich netter Typ. Aber ihre Musik gefällt mir nicht.

Ihr seid auch in der Anfangsszene des Films „xXx“ zu sehen. Was habt ihr bei Euren ersten Film-Erfahrungen gelernt?
Richard: Wir waren total glücklich darüber, dass man uns fünf Minuten lang in diesem Film sehen kann! Was mich betrifft, so habe ich seit unseren Anfängen einen Traum: ich würde gerne einen Film über Rammstein machen. Wir haben bereits mit Werner Herzog gesprochen, einem der besten deutschen Regisseure. Wir haben über die Idee geredet, einen Film über die Gruppe zu drehen, aber zurzeit handelt es sich nur ein vages Projekt. Ich hoffe, dass wir es eines Tages realisieren werden...



© 2005 Sue Lindemann

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