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Das Herz schlägt links – “Kulturnews”

Das Herz schlägt links
April 2001 - “Kulturnews”

1993 waren Rammstein da. Einfach so. Mit ihrer Mischung aus brachialer Musik, expressiven Texten und Feuerspielen schlugen die Ossis ein wie eine Bombe. Jetzt folgt mit ,,Mutter” (Motor) das dritte Werk. Es ist hart und pathetisch, klar. Aber wie deutsch ist es diesmal?
Wir erinnern uns: Weil die Band in ihrem ,,Stripped”-video Bilder aus Leni Riefenstahls Film ,,Olympia” zeigte, ging ein empörter Aufschrei durchs Land. Die Ost-Band Rammstein muss noch immer darüber diskutieren. ,,Dass Leni Riefenstahl und Faschismus in Deutschland eins sind, war ins nicht bewusst”, windet sich Gitarrist Paul Landers. ,,Sonst hätten wir vielleicht auf diese Bilder verzichtet.” Vielleicht. Denn wenn Paul ehrlich ist, findet er ,,das ,Stripped’-Video nach wie vor schön.”
So oder so: Die schlechte Presse zehrte an Rammsteins Nerven, Paul kann’s nicht verhehlen: ,,Obwohl wir etwas befangen an unsere neue Platte heran gingen, versuchten wir Gedanken wie ,MTV wird dich nicht senden’ weg zu schieben. “Ganz gelungen ist das offenbar nicht. Die ,,Mutter”-Stücke sind für Rammstein-Verhältnisse eher harmlos ausgefallen ,,Ich will” knüpft an ,,Links 234” an. Wenn Sänger Till Lindemann fleht: ,,Wir wollen, dass ihr uns vertraut”, hat das beinahe etwas Rührseliges. Und mit ,,Nebel” schuf Deutschlands Skandalband Nr. 1 gar eine romantische Ballade.
Ob damit ihr schlechter Ruf ruiniert ist? Immerhin verkündete ein Mecklenburger Skinhead unlängst, die Böhsen Onkelz seien ihm nicht mehr rechts genung – aber dafür habe er ja Rammstein. Ein Missverständnis, behauptet Keyboarder Flake Lorenz: ,,Trottel gibt es überall”. Paul indes sieht dieses Problem differenzierter. Vielleicht, sagt er, hätte er auch ein schlechtes Bild von Rammstein, wenn er die Band nur aus den Medien kennen würde. Doch die Texte sprechen für sich: ,,Wir verkünden keine rechten Parolen” Das Lied ,,Links 234” soll keinen Zweifel übrig lassen: Rammsteins Herz schlägt links. Eine Image-Korrektur? Hm ja. Flake nickt: ,,Jetzt haben wir ein für alle mal geklärt, wo wir politisch stehen.” Ein für alle Mal? Abwarten.
Dagmar Leischow.

© 2005 Sue Lindemann

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